Zur Erinnerung

an meine Eltern Maria, geb. Schmidt, und Heinrich Kerkhoff

 
Schäfers Sonntagslied
(1805)

Das ist der
Tag des Herrn!
Ich bin allein auf
weiter Flur
;
Noch  eine  Morgenglocke nur,
Nun Stille nah und fern.
 
Anbetend knie ich hier.
O süßes Graun! geheimes Wehn!
Als knieten viele ungesehn
Und beteten mit mir.

Der Himmel nah und fern,
Er ist so klar und feierlich,
So ganz, als wollt' er öffnen sich.
Das ist der
Tag des Herrn
!
 
Ludwig Uhland 1787 - 1862
          Quelle: Bibliotheca Augustana
 
(Meines Vaters Lieblingslied, das er
immer sonntags sang. E sang es auch noch auswendig und mit einer wunderbaren Stimme, als er 80 Jahre war.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe dich
bei deinem Namen
gerufen,
mein bist du.

     

In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von

 

meinen Eltern,  den Schwiegereltern von Erika, den Großeltern unserer Kinder und den Urgroßeltern meiner Enkel

 

Maria Kerkhoff, geb. Schmidt 5.12.1895 - 23.6.1978

Heinrich Kerkhoff 19.9.1882 - 26.5.1976

 

 

Beide meiner Eltern haben den 1.  Weltkrieg miterlebt. Vater war im ersten - nicht im 2. - Krieg Soldat. Nach dessen Beendigung verlobte er sich mit Maria Schmidt, unserer Mutter, die er in Nordhorn kennen lernte und dort Hausmädchen war. Mein Vater, ursprünglich Schlosser-Geselle, hat danach an der Landwirtschaftskammer eine untere Beamtenlaufbahn eingeschlagen.

1920 heirateten meine Eltern, mit in die Wohnung zog die 14 Jahre alte Schwester Clara meiner Mutter ein, da beide Eltern tot waren. Sie wurde während ihrer Lehre zu Schneiderin lungenkrank.

Das erste Kind, mein älterer Bruder,  wurde 1921 geboren.

Die Geldinflation entwertete die Mark, das Geld wurde knapp, 1 Brot kostete 600 Mark. Vater hat  erzählt, dass er sein verdientes Geld im Koffer mit nach Hause schleppte, immer eilig, damit etwas zu kaufen; denn Stunden später war es schon wieder entwertet .

Kurz nachdem das Geld wieder saniert war, meldete sich das zweite Kind an, meine älteste Schwester. Ein paar Tage vor der Geburt des vierten Kindes starb die  Schwester Clara, nach verschiedenen Klinik- und Kuraufenthalten. Die Folgen blieben nicht aus. Der Geburtsvorgang des vierten Kindes wurde schwierig, es war ein Sturzgeburt, meine Mutter erlitt eine halbseitige Lähmung, die über sechs Monate anhielt. Als ich als letztes Kind zur Welt kam - nach insgesamt 4 Kindern -, hatte mein Bruder Geburtstag und wurde 13 Jahre alt, mein Vater war gut 51 und meine Mutter 39 Jahre. 

Wohnungen waren teuer, die Familie groß, so dass die Familie Kerkhoff  oft in Münster umziehen musste. Mitunter vermietete meine Mutter Zimmer mit Frühstück.

Mein Vater wurde schon von der Behörde mit Oberinspektor angeschrieben, doch die Beförderung zurückgezogen. Vater konnte sich nicht entschließen, in die Nazi-Partei zu gehen. In der Folgezeit wurde Vater Rollstuhlfahrer, hinter vorgehaltener Hand riet man ihm, sich vorzeitig pensionieren zu lassen, damit er nicht  aus dem Dienst entfernt würde.

Im 2. Weltkrieg wurden meine Eltern mit uns zweimal ausgebombt, für einige Monate beim Bauern evakuiert. Meinem Vater ging es gesundheitlich zum Ende des  Krieges besser. Kurz nach ihrer Silbernen Hochzeit kam für die ganze Familie eine Schreckensnachricht. Der älteste Sohn war einige Wochen vor Kriegsende im Osten gefallen. Ein Ereignis, das unser aller Leben fortwährend beschäftigte.

Der Lebenswille meiner Eltern wurde dadurch aber nicht gebrochen, sie lebten für ihre vier anderen  Kinder. Sie sorgten bei uns allen für eine ordentliche Ausbildung. Meine Eltern bauten später sogar noch ein Haus,  Mutter war 60, Vater 73 Jahre, und konnten über  20 Jahre darin leben.  Sie feierten sogar ihre Goldene Hochzeit dort. Mein Vater, der 13 Jahre älter als seine Frau war, wurde fast 94 Jahre alt, Mutter, die ihren Mann um ca. 2 Jahre überlebte, fast 83.

Meine Kinder werden ihre Großeltern aus Münster in guter Erinnerung behalten. Vater und Mutter hatten immer eine Blechkiste selbst gebackener Plätzchen für sie bereit. Meine Mutter hatte sich einen Strickapparat erspart und bestrickte unsere Kinder. Wir waren dankbar, denn das Geld war knapp.

 

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