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Mein Vater, der
spät heiratete, immerhin mit fast 38 Jahren, war bei meiner Geburt gut 51
Jahre alt. "Dann hast du aber einen alten Vater in deiner Jugendzeit
erlebt, " hör ich schon manchen von euch sagen. Er war ein reifer
Mann, aber alt? Wenn man damit einen langsamen Niedergang der Kräfte verbindet,
dann traf das für meinen Vater nicht zu.
Interessanterweise habe ich nie wahrgenommen oder
bedauert, dass ich keine Großeltern beiderseits hatte. Vielleicht konnte
mein Vater diese wegen seines Alters mit ersetzen.
Dass mein Vater alt war, habe ich nie
wahrgenommen. Er war auch im Alter noch zu Scherzen aufgelegt und kräftig
schlank. Man muss bedenken, dass mein Vater mit 80 noch auf der Leiter
stand und mit Freude die Wände unseres Hauses - von Erika und mir - tapezierte. Noch mit 85 Jahren bestellte er
seinen Garten und benutze die Schubkarre für seine Arbeit. Jede handwerkliche
Arbeit, die er kannte, führte er durch. Und er konnte eigentlich alles - er
baute ja auch noch mit 73 Jahren ein Haus -, ohne
dass ich hier in
eine übliche Kindeshaltung verfalle, die dem Vater eine gewisse göttliche Allmacht
andichtet.
Dass
ich gewissermaßen für meinen Bruder als Überraschung zum 13. Geburtstag diente, das war natürlich besondere Maßarbeit meiner
Eltern. Als mein Bruder mich nach der Schule sah, versprach er spontan: "Den
nehme ich mit aufs Fahrrad, wenn er groß genug ist!" Meine Mutter
hatte eine Hausgeburt gemacht und keiner der Kinder hatte gesehen noch
gewusst, dass ich unterwegs war.
Die Zahl Dreizehn hat
in meinem späteren Leben auch weiterhin Bedeutung gehabt. So wurde meine
spätere Frau auf dem 13ten, zudem noch auf einem Freitag, im Monat Dezember
geboren.
Alle
meine Schwestern sind entschieden älter als ich. Sogar die jüngste Schwester war
4 Jahre
älter. Von ihnen allen wurde ich immer sehr umsorgt. Mit anderen Worten: oft musste
ich feststellen, dass ich zu meiner richtigen Mutter praktisch noch drei
weitere Mütter hatte. Doch habe ich mich gut freigestrampelt, das war
besonders nötig, als ich recht früh - im Hinblick auf unsere geltenden
familialen Lebensregeln - ein Mädchen kennen
und lieben lernte, das später auch meine Frau wurde. Zudem vertrat innerhalb
der Familie besonders wohl mein Vater beim Thema Umgang Jugendlicher mit dem
anderen Geschlecht auch für damalige Zeiten eine
sehr konservative Meinung und Praxis.
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Familie ohne Heinz,
ich etwa 2 J.
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Ich, gut 3 J. |
Heinz im Büro, 19 J. |
Heinz im Krieg. 20 J. |
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Übrigens habe ich
nur wenige Erinnerungen an meinen Bruder Heinz. Er war doch schon viel aus dem
Haus, er lernte in einem Internat. Nach dem Abitur studierte er Chemie. In
den Semesterferien hatte er Einsatz zu leisten, er, neunzehnjährig, arbeitete
auf dem Büro der Kaserne in Münster auf der Steinfurter Str. Diese Stelle fand
er durch einen Bekannten, den wir Onkel Vernier nannten. Ein Bild zeigt
ihn dort am Bürotisch.
Nach
drei Semester Studium machte er sein Vordiplom. Er war in seinem Studium so
durch gutes Wissen aufgefallen, dass der prüfende Professor: "Eine
Prüfung brauchen sie nicht zu machen, ich unterhalte mich nur ein wenig
mit ihnen." Er hatte ja auch zu Hause einen "Giftschrsnk", so nannten
wir den Schrank in dem er alle seine stinkenden Reagenzien aufbewahrte.
Einmal machte einen grünen Kunsthonig, solchen gab es schon als
gelbliche Ausführung im Geschäft, , es war ja Kriegszeit. Aber wir
mochten nichts von seinem "Gifthonig" essen.
Nach dem Vordiplom meldete er sich dann freiwillig zum Arbeitsdienst - vormilitaristische Erziehung unter Hitler -
eingezogen, da er glaubte, danach sein Studium zu beenden. Die Kriegserklärung
Hitlers machte durch seine Pläne einen Strich. Er wurde gleich im Anschluss an
seinen Arbeitsdienst eingezogen, später dann an die Westfront geschickt, kurz
vor Kriegsende zur Ostfront. Er kam nicht wieder aus dem Krieg zurück.
Meine deutlichste
Erinnerung an ihn war im Krieg ein Kurzurlaub von nicht mal zwei Tagen, als er auf einer Durchreise vom westlichen zum östlichen Schlachtfeld bei uns zu Hause auftauchte.
Ich ging mit ihm
durch unser kleines Städtchen und schaute zu ihm auf. Auf seiner linken Seite
ging ich, ich weiß es noch genau, was war ich stolz, einen älteren Bruder zu
haben und vorzeigen zu können
Diese Begegnung
war zugleich die letzte.
Am 11. März 1945,
ein paar Tage vor Kriegsende, ereilte ihn das Schicksal im Osten, das viele
teilen mussten. Er soll auf dem Friedhof bei Retzowfelde begraben liegen. Ein
kleines Holzbrettchen in der katholischen Pfarrkirche von Burgsteinfurt erinnerte
an ihn. Mit der Renovierung der Kirche wurden diese Täfelchen entfernt und
durch einen monatlichen Erinnerungshinweis ersetzt.
Die Nachricht
über den Tod meines Bruders kam nach der Silberhochzeit meiner Eltern.
Nun war ich der einzige Junge, so wie er es mal gewesen war. Mein
Vater äußerte mal in diesen Tagen der Nachkriegszeit. "Ich habe mir
mein Alter wirklich anders vorgestellt!" Aber wie viele Menschen
machten diese schmerzliche und traurige Erfahrung nach dem Krieg. Man hört aber
auch heute oft solche Klagen, wenn das Schicksal herb zuschlägt .
(Wird
fortgesetzt)

Eine ungewöhnliche Art, eine Tür zu öffnen
Ich treffe mit einer Kollegin zusammen, mit der ich in der
2. Lehrerphase in der Ausbildung war. Damals war ich in Wettringen Lehrer und
fuhr zu dieser Ausbildung meistens nach Borghost.
Ich traf diese Kollegin nach vielen Jahren bei einem
Besuch meiner Schwester, die auch denselben Beruf hatte, aber Jahre später.
Zunächst erkannte ich sie nicht wieder, doch dann erzählte sie mir, dass sie
mich schon lange kenne. Es stellte sich dann heraus, dass ich das total vergessen
hatte und sie zunächst in meine Erinnerung nicht einordnen konnte. Sie wies
darauf hin, dass sie mich schon länger kenne, ja vor meiner 1. Lehrerprüfung sei
sie schon bei uns in Burgsteinfurt gewesen, da sie meine Schwester, die sie schon
vom Studium her kannte, besucht habe. Ich sei ihr damals schon aufgefallen,
nicht nur erst bei der gemeinsamen 2. Phasenausbildung, wo ich immer mit
Nachdruck meine Meinung vertreten habe. So hatte ich mich gar nicht in
Erinnerung; man sieht sich da wohl anders, als das Umfeld einen wahr nimmt.
Das Auffällige damals beim Besuch meiner Schwester in
Burgsteinfurt - noch in meinem Elternhaus - sei gewesen, dass ich die Tür
geöffnet habe. Was sollte daran auffällig sein? Das kam aber gleich hinterher.
Ich habe auf Händen gelaufen und die Haustür mit meinen Füßen geöffnet. Ich
geriet in Erstaunen. Und dann dämmerte es bei mir. Ja, ich hatte eine Zeit - es
muss so um die Zeit gewesen sein, als ich Abitur machte, etwa 1954/1955 - da war ich ganz
verrückt, das Auf-den-Händen-Gehen gut zu beherrschen und führte alles eben
Machbare auf Händen-Gehend aus. Wieso konnte ich diese tolle Körperbeherrschung
so vergessen! Leider beherrsche ich diese Art zu gehen heute nicht mehr!
(Wird
fortgesetzt)
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