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Ein zweiter Junge  Eine etwas sentimentale Erinnerung

 

 

     

          Meine Eltern vor meiner
                         Geburt

 

Nicht nur meine Eltern freuten sich, dass nach drei Töchtern ein zweiter Junge geboren wurde, auch mein ältester Bruder Heinz fand es klasse. 

 

 

1. Mein Vater

Mein Vater, der spät heiratete, immerhin mit fast 38 Jahren, war bei meiner Geburt gut 51 Jahre alt. "Dann hast du aber einen alten Vater in deiner Jugendzeit erlebt, " hör ich schon manchen von euch sagen.  Er war ein reifer Mann, aber alt? Wenn man damit einen langsamen Niedergang der Kräfte verbindet, dann traf das für meinen Vater nicht zu. 

Interessanterweise habe ich nie wahrgenommen oder bedauert, dass ich keine Großeltern beiderseits hatte. Vielleicht konnte mein Vater diese wegen seines Alters mit ersetzen.

Dass mein Vater alt war, habe ich nie wahrgenommen. Er war auch im Alter noch zu Scherzen aufgelegt und kräftig, aber schlank. Man muss bedenken, dass mein Vater mit 80 noch auf der Leiter stand und mit Freude die Wände unseres Hauses - von Erika und mir -  tapezierte. Noch mit 85 Jahren bestellte er seinen Garten und benutze die Schubkarre - eine alte hölzerne, unmoderne - für seine Arbeit. Jede handwerkliche Arbeit, die er kannte, führte er durch. Und er konnte eigentlich alles - er baute ja auch noch mit 73 Jahren ein Haus -, ohne dass ich hier in eine übliche Kindeshaltung verfalle, die dem Vater eine gewisse göttliche Allmacht andichtet.

Dass ich gewissermaßen für meinen Bruder als Überraschung zum 13. Geburtstag diente, das war natürlich besondere Maßarbeit meiner Eltern.  Meine Mutter hatte eine Hausgeburt gemacht und keiner der Kinder hatte gesehen noch gewusst, dass ich unterwegs war.

 

2. Mein Geburtstag

So könnte sich der Tag meiner Geburt abgespielt haben. Meine älteste Schwesterberichtete davon.

Ich wurde als fünftes Kind im Mai geboren. Keins der vier Geschwister hatte eine Ahnung, dass da ein dicker Maikäfer im Anflug war.

„Du lügst!“, krähte die jüngste Schwester des Neugeborenen, gerade vier Jahr, als das Kindermädchen sie zu überzeugen versuchte, dass sie ein Brüderchen habe. Die Kleine rannte aus dem Zimmer, ehe das Kindermädchen sie aufhalten konnte.

„Mama, Mama!“ rief sie und riss die Tür zum Elternschlafzimmer auf. „Pssst!“, wollte das Kindermädchen mahnen, aber sie konnte den Wirbelwind nur noch in Empfang nehmen, als er schluchzend aus dem Elternzimmer zurückkam.

„Wo ist Mama?“, fragte die Kleine. „Ist kein Baby“, kam sofort hinterher. Das Kindermädchen nahm die Kleine an die Hand und schob sie ins Herrenzimmer, das für die Geburt des neuen Kindes hergerichtet worden war. Die Kleine blieb in der geöffneten Tür stehen. Das Zimmer war so verändert!

Es dauerte eine Weile, ehe sie sich zurecht fand. Dann stürzte sie auf ihre Mutter, die in einem Bett lag und einen Korb auf Rädern neben sich hatte.

Gegen Mittag kamen die beiden anderen Schwestern, acht und zwölf aus der Schule, beide ebenfalls ahnungslos. Als sie darüber aufgeklärt wurden, dass sie ein Brüderchen bekommen hatten, wehrten sie ab: „Das kann nicht sein!“

Ungläubig gingen sie in das Geburtszimmer. Klein war das Baby in dem Korb! Ihre Mutter schaute blass, aber glücklich aus, sie nahm die beiden in die Arme und zeigte auf das Brüderchen: „Schaut es nicht niedlich aus?“, fragte sie. Als beide das kleine Brüderchen vorsichtig streichelten, zeigte ihre jüngste Schwester, die die ganze Zeit schon neben dem Bettchen gestanden hatte, mit dem Finger auf den Erdenneuling: „Meins!“ sagte sie lächelnd.

Unvorbereitet war auch der Älteste der Kinder, als er aus der Schule kam. Er feierte heute selbst seinen Geburtstag. Er wurde 13 Jahre. Wie die anderen nahm er die Nachricht überrascht, aber sichtlich erfreut auf. Seine Freude über einen Bruder hörte man deutlich aus seinen Worten heraus. „Wenn ich groß bin, nehme ich den mit aufs Fahrrad!“, verkündete er an der Wiege seinen Schwestern, die sich von dem neuen Bruder gar nicht trennen mochten.

Seine Mutter vergaß keineswegs ihrem Ältesten herzlich zu gratulieren. Genau heute vor 13 Jahren hatte sie ihm das Leben geschenkt, mit 24 Jahren. Wie viele Windeln sie wohl seitdem gewaschen hatte, schoss es ihr durch den Kopf.  Pampers gab es damals noch nicht. Auch wenn sie damals schon zu kaufen gewesen wären, hätten die Eltern dafür kein Geld gehabt.

Der Vater der Familie saß währenddessen über seinen Akten im Büro der Landwirtschaftskammer Münster. Um sechs Uhr heute in der Früh war sein zweiter Sohn geboren worden. Er hatte nicht lange bei seinem neugeborenen Kind und seiner Frau bleiben können. Wie dankte er Gott, dass alles so glimpflich verlaufen war. Nach der Sturzgeburt der jüngsten Tochter, dem vierten Kind, war seine Frau ein halbes Jahr einseitig gelähmt geblieben, aus unerklärlichen Gründen, aus ebenso unerklärlichen Gründen war sie wieder zum Laufen gekommen. Oder war es doch nicht so unerklärlich? Die jüngere Schwester seiner Frau, die bei ihnen jahrelang bemuttert worden war, war kurz vor der Geburt der jüngsten Tochter nach langer Krankheit - langjährige Lungentuberkulose mit Aufenthalt im Krankenhaus zuletzt - gestorben,

Über 51 Jahre war er nun, erst mit 37 hatte er geheiratet. Als er im Büro von der Geburt seines jüngsten Sohnes berichtete, gratulierten alle, und alle lachten, als er hinzufügte, dass der jüngste Sohn gerade zur rechten Zeit gekommen sei, da sein ältester Sohn heute auch Geburtstag und somit sein Geschenk schon bekommen habe.

Wo ich geboren bin

Nach der Erinnerung meiner ältesten Schwester sah das Zimmer, das  Herrenzimmer, wo ich geboren wurde, z. Z. der Geburt folgendermaßen aus: unten klicken! Meine Mutter entband alle Kinder zu Hause. Natürlich waren in "normalen" Zeiten Bett und Körbchen (Wiege) nicht im Zimmer.

Der Tisch in der Mitte war schwarz. Wir hatten ihn später auch noch. Auch den Bücherschrank. Darin lagen die "Stadt Gottes". eine Zeitschrift des  Steyler Ordens, deren Fortsetzungsromane von mir, nachdem ich lesen gelernt hatte, sehr begehrt waren. Das war aber auf der Leerer Str.  Meine Schwester Cissi - die älteste - berichtete, hinter dem Bücherschrank und hinter dem Schreibtisch konnte man sich gut verstecken.

Hier nun der Wohnungsplan

 

Vergrößern der Wohnung: 1. in der Mitte des Planes klicken!
Vergrößerung des Geburtszimmers: Im Herrenzimmer klicken°

Die Wohnung der damaligen sechsköpfigen Familie lag in Münster auf der Dorotheenstr.28. Die Wohnung war sehr groß. Meine Eltern versuchten durch Vermietung an Studenten den hohen Mietpreis zu mindern. 

In dieser Wohnung wurde nicht nur ich, auch meine jüngste Schwester geboren, bei der meine Mutter eine Spontanlähmung erlitt - ein halbes Jahr lang. Drei Kinder hatten wir schon. Wir wohnten hier von 1929 bis 1936. Im 5. Stock. 101 oder 94 Stufen (meine Schwester waren sich nicht einig) waren zu überwinden. Meine Schwester Beatrix wurde 1930, ich 1934 geboren. Zur Taufe gab es als Nachtisch Götterspeise - grün - mit Sahne, auch zur Erstkommunion. Meine älteste Schwester berichtete, dass sie meinen Po unter kaltem Wasser in der Toilette gereinigt hat.

In dem langen Flur war eine Schaukel mit Sitz, Ringen und Schwungstange angebracht. Hier feierte mein Vater mit uns Kindern das Lambertusfest. Platz war ja genug da.

Damit der Lärm nicht so sehr in der unteren Wohnung zu hören war, hatten meine Eltern den Flur mit einem Kokosteppich ausgelegt. Die Familie, die im Stock darunter wohnte, hat sich oft über den Lärm der Kinder beklagt. Ob mit Recht oder zu Unrecht, das kann ich nicht beurteilen, jedoch haben meine Eltern oft ihre häufigen Umzüge mit dem Ansteigen der Mieten und mit dem von den Nachbarn beklagten Kinderreichtum begründet. So wohnten wir nach der Kronprinzenstr, ein Jahr auf der Steinfurter Str. (1937) - dort lernten die drei Mädchen Rollschuhlaufen auf dem breiten Bürgersteigen - und 1938 auf der Hochstr. 1939 zogen wir dann zur Leererstr. 2. Dort wohnten wir, bis wir 1943 im Krieg nach Burgsteinfurt umzogen.

Mein Vater war ein fleißiger Mann, der jeden Morgen, ehe er zum Büro ging, den großen Flur auf der Kronprinzenstraße reinigte.  Mit Teppichkehrer und Mopp.

 

3. Meine Geschwister, mein Bruder

Die Zahl Dreizehn hat in meinem späteren Leben auch weiterhin Bedeutung gehabt. So wurde meine spätere Frau auf dem 13ten, zudem noch auf einem Freitag, im Monat Dezember geboren.

Alle meine Schwestern sind entschieden älter als ich. Der Altersunterschied war jeweils 4 Jahre. Von ihnen allen wurde ich immer sehr umsorgt. Mit anderen Worten: oft musste ich feststellen, dass ich zu meiner richtigen Mutter praktisch noch drei weitere Mütter hatte. Doch habe ich  mich gut frei gestrampelt, das war besonders nötig, als ich  recht früh - im Hinblick auf unsere geltenden familialen Lebensregeln - ein Mädchen kennen und lieben lernte, das später auch meine Frau wurde. Zudem vertrat innerhalb der Familie besonders wohl mein Vater beim Thema Umgang Jugendlicher mit dem anderen Geschlecht auch für damalige Zeiten eine sehr konservative Meinung und Praxis. 

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Familie ohne Heinz, ich etwa 2 J.

 Ich, gut 3 J.

Heinz im Büro,  bei "Onkel Vernier", 19 J., Semesterarbeit: Geldverdienen

Heinz im Krieg. 20/21 J.

Übrigens habe ich nur wenige Erinnerungen an meinen Bruder Heinz.  Er war doch schon viel aus dem Haus, er lernte zuletzt in einem Internat (Fulda, Dominikanerkloster). Nach dem Abitur studierte er Chemie. In den Semesterferien hatte er Einsatz zu leisten, er, neunzehnjährig, arbeitete auf dem Büro der Kaserne in Münster auf der Steinfurter Str. Diese Stelle fand er durch einen Bekannten, den wir Onkel Josef bzw. Onkel Vernier nannten.  Ein Bild zeigt meinen Bruder dort am Bürotisch.

Nach drei Semester Studium machte er sein Vordiplom. Er war in seinem Studium so durch gutes Wissen aufgefallen, dass der prüfende Professor zum Prüfungstermin befand: "Eine Prüfung brauchen sie nicht zu machen, ich unterhalte mich nur ein wenig mit ihnen." Er hatte ja auch zu Hause einen "Giftschrank", so nannten wir den Schrank in dem er alle seine stinkenden Reagenzien aufbewahrte. Einmal machte er einen grünen Kunsthonig, solchen gab es schon als  gelbliche Ausführung im Geschäft, es war ja Kriegszeit. Aber wir mochten nichts von seinem "Gifthonig" essen.

Nach dem Vordiplom meldete  er sich dann freiwillig zum Arbeitsdienst - vormilitaristische Erziehung unter Hitler -, da er glaubte, danach sein Studium beenden zu können. Der Krieg Hitlers machte durch seine Pläne einen Strich. Er wurde gleich im Anschluss an seinen Arbeitsdienst eingezogen, später dann an die Westfront geschickt, kurz vor Kriegsende zur Ostfront. Er kam nicht wieder aus dem Krieg zurück.

Meine deutlichste Erinnerung an ihn war im Krieg ein Kurzurlaub von nicht mal zwei Tagen, als er auf einer Durchreise vom westlichen zum östlichen Schlachtfeld bei uns zu Hause auftauchte.

Ich ging mit ihm durch unser kleines Städtchen, damals hieß es noch Burgsteinfurt, und schaute zu ihm auf. Auf seiner linken Seite ging ich, ich weiß es noch genau. Was war ich stolz, einen großen, älteren Bruder zu haben und vorzeigen zu können. Über 1,80 m war mein Bruder; ich dagegen war für mein Alter ausgesprochen klein. Immer der Kleinste in der Klasse.

Diese Begegnung war zugleich die letzte. An dem frühen Morgen, als mein Bruder zur Ostfront aufbrach, brachte mein Vater ihn  zu einer Ausgangsstraße, von der er per Anhalter weiter nach Osten reisen wollte, um als Fähnrich seinen Auftrag, Quartiere für sein Battalion zu suchen, nachzukommen. Ich erinnere mich genau, dass einen Tag später um dieselbe Uhrzeit genau die Stelle der Landstraße, wo mein Vater und mein Bruder sich zum Abschied umarmten, von Flugzeugen bombardiert wurde. Mein Vater hat das wohl als gutes Omen angesehen, dass sein Sohn auch an der Ostfront Glück haben werde. Er wollte wohl nicht wahr haben, dass sein Sohn  ahnungsvoll im Abschiedsmoment ihm sagte: "Vater, ich komme aus diesem Krieg im Osten nicht wieder zurück." Wie wahr wurden die Worte meines Bruders. Mein Vater hat die Worte seines Sohnes tief in seinem Herzen verborgen. Erst viel später, nachdem die Ahnung sich bewahrheitet hatte, berichtete er von diesem letzten, schmerzlichen Abschied und seinen beängstigenden Worten.

Am 11. März 1945, ein paar Tage vor Kriegsende, ereilte ihn das Schicksal im Osten, das viele teilen mussten. Er schaute an diesem Tag über den Schützengraben, der Feind machte einen Angriff. Ihn traf ein Kopfschuss, er war sofort tot. Er soll auf dem Friedhof bei Retzowfelde begraben liegen. Ein kleines Holzbrettchen in der katholischen Pfarrkirche von Burgsteinfurt erinnerte an ihn. Mit der Renovierung der Kirche wurden diese Täfelchen - unverständlicherweise - entfernt und durch einen monatlichen Erinnerungshinweis ersetzt. 

Die Nachricht vom Tod meines Bruders kam nach der Silberhochzeit meiner Eltern. Der Bataillonskommandeur, der Theologie studierte, hatte sich zur Aufgabe gemacht, alle Familien der Gefallenen aus seinem Bataillon selbst zu informieren. Er war schon Tage früher bei unseren Bekannten gewesen und hatte gehört, dass meine Eltern Silberhochzeit feierten. Deshalb wartete er mit der Todesnachricht ein paar Tage.

Nun war ich der einzige Junge in der Familie, so wie mein Bruder es mal gewesen war.  Mein Vater äußerte in diesen Tagen der Nachkriegszeit, nachdem er die Nachricht über den Tod seines ältesten Sohnes erhalten hatte: "Ich habe mir mein Alter wirklich anders vorgestellt!" Aber wie viele  Menschen machten diese schmerzliche und traurige Erfahrung gerade nach dem Krieg. Man hört aber auch heute oft solche Klagen, wenn das Schicksal herb zuschlägt.

 

 (Wird fortgesetzt)

 

Eine ungewöhnliche Art, eine Tür zu öffnen

Ich treffe mit einer Kollegin zusammen, mit der ich in der 2. Lehrerphase in der Ausbildung war. Damals war ich in Wettringen Lehrer und fuhr zu dieser Ausbildung in der 2. Phase meistens nach Borghost.

Ich traf diese Kollegin nach vielen Jahren bei einem Besuch meiner Schwester, die auch denselben Beruf wie ich hatte. Zunächst erkannte ich sie nicht wieder, doch dann erinnerte sie mich an die gemeinsame Ausbildungszeit in der 2. Phase. Es stellte sich dann heraus, dass ich das total vergessen hatte und sie zunächst in meine Erinnerung nicht einordnen konnte. Sie wies darauf hin, dass sie mich schon länger kenne, ja, vor meiner 1. Lehrerprüfung sei sie schon bei uns in Burgsteinfurt gewesen, als sie meine Schwester, die sie schon vom Studium her kannte, besucht hatte. Ich sei ihr damals schon aufgefallen, nicht nur erst bei der gemeinsamen 2. Phasenausbildung, wo ich immer mit Nachdruck meine Meinung vertreten habe. So hatte ich mich gar nicht in Erinnerung; man sieht sich da wohl oft anders, als das Umfeld einen wahr nimmt.

Das Auffällige damals beim Besuch meiner Schwester in Burgsteinfurt  - noch im Haus meiner Eltern - sei gewesen, dass ich die Tür geöffnet habe. Was sollte daran auffällig sein? Das kam aber gleich hinterher. Ich wäre auf Händen gelaufen und hätte die Haustür mit meinen Füßen geöffnet. Ich geriet in Erstaunen. Und dann dämmerte es bei mir. Ja, ich hatte eine Zeit - es muss so um die Zeit gewesen sein, als ich Abitur machte, etwa 1954/1955 - da war ich ganz verrückt, das Auf-den-Händen-Gehen gut zu beherrschen und führte alles eben Machbare auf Händen-Gehend aus. Wieso konnte ich diese tolle Körperbeherrschung so vergessen! Leider beherrsche ich diese Art zu gehen heute nicht mehr!

Mein 30. Geburtstag

Ich bekomme ein Gedicht zu meinem 30. Geburtstag. Es ist der 9.5.1964. Ich fand es heute, am 18.10.2012, wieder, als ich aufräumte. Ouh, wie lang ist der Geburtstag  her, was ist inzwischen alles passiert. Damals wohnten wir noch im alten Haus auf der heutigen Bergstraße von Albersloh, das damals zu Wolbeck gehörte.

 

"Schier 30 Jahre bist Du heut

auf dieser schönen Welt,

die Gott zu Deiner Lust und Freud

so herrlich hat bestellt.

 

Es flüstert leis im Tulpenbaum,

dahin ist all die Zeit.

Scheint es Dir heute wie ein Traum,

wahr bleiben Glück und Leid.

 

Dass Du in unserem Kreis verweilst

noch drei mal 30 Jahr

und froh und glücklich bist dabei,

wünscht Deine kleine Schar.

 

A. und H. I.

C. und Mama"

 

Danke Euch, meine kleine Schar. Damals ward Ihr 4 1/2, 2 1/2 und 1 Jahr alt. Mutter war 28 1/2.  Viel Zeit ist bis heute vergangen, viel Trauriges, nicht  mehr Umkehrbares. Die Trennungen schmerzen am meisten. Die "Mama" ist tot, die Kinder sind gegangen, wer besucht einen noch von der kleinen Schar, obwohl sie sich ja vermehrt hat. Dennoch bin ich zufrieden mit meinem Leben, denn ich habe jemanden gefunden, der mit mir durch den Rest des Lebens geht. Dafür danke ich sehr.

Meine Eltern lebten damals noch. Vater war 81, Mutter 68. Mein Schwiegervater 54, Schwiegermutter 52. Zwischen beiden Elternpaaren lagen schon Jahre. Erikas Großmutter war genau so alt wie mein Vater!

Alle 4 bis 6 Wochen besuchte die ganze Familie beide Großeltern. Manches Mal öfter. Oma und Opa in Emsdetten hatte immer ein gutes Mittagsessen und eine Süßigkeitskiste bereit. In Kinderhaus hatten die Großeltern Plätzchen gebacken und auch eine leckere Mahlzeit bereit.

Meine Schwestern lebten damals auch noch. Meine Jüngste als Sonderschullehrerin zu Hause bei ihren Eltern in Kinderhaus, die Mittlerste in Heek als Lehrerin in der Grundschule, die Älteste in Düsseldorf als Berufsschullehrerin.

(Wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

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